Über mich

Das Lesen begleitet mich schon mein ganzes Leben. Bücher spielten in jeder meiner Lebensphasen eine große Rolle für mich.

Wann genau ich das Lesen für mich entdeckt habe, kann ich nicht sagen. Ein spezielles Schlüsselerlebnis ist mir nicht in Erinnerung geblieben. Aber irgendwann in der 1. oder 2. Klasse der Volksschule begann es. Ich besaß nicht sehr viele Bücher und auch zur Stadtbücherei nahm mich niemand regelmäßig mit. Die wenigen Bücher, die ich hatte, las ich bestimmt hunderte Male. In der Schule gab es leider auch keine Bibliothek, aber meine Lehrerin organisierte in der 3. Klasse einen Büchertisch. Jedes Kind nahm ein Buch mit, damit die anderen Schüler es auch lesen konnten.  Ich las als Einzige die Bücher des ganzen Tischs innerhalb nur einer Woche aus! Das Projekt wurde leider nicht fortgesetzt, aber immerhin hatte ich eine Woche lang neuen Lesestoff!

Als Teenager war es dann schon wesentlich einfacher für mich, an Lesestoff zu kommen. Einerseits hatte ich in der Zwischenzeit Freundinnen, die auch gerne lasen, und andererseits konnte ich selbst zur Stadtbücherei fahren, um mir Bücher auszuborgen. Gelesen habe ich nicht nur nachmittags, sondern auch heimlich nachts. Ich ließ die Tür meines Zimmers einen Spalt offen und konnte so hören, wenn meine Eltern im Untergeschoß den Fernseher ausmachten. Dann schaltete ich schnell mein Nachttischlicht aus und versteckte das Buch unter der Bettdecke. Nun hieß es warten, bis meine Eltern im Bad fertig waren und sich ins Schlafzimmer begaben. Das war der schwierigste Teil, denn ich musste aufpassen, nicht selbst einzuschlafen. Hatte ich diese Phase munter überstanden, konnte ich das Licht wieder aufdrehen. Wichtig war nun, die Zimmertür zu schließen, damit der Lichtstrahl nicht zu deutlich sichtbar war.

Als Studentin entdeckte ich die Klassiker für mich und las mich unter anderem durch die gesammelten Werke von Goethe, Zweig und Alexandre Dumas. Ich durchlebte intensive Phasen mit den Russen, allen voran Dostojewski, Tolstoi und Bulgakow. Und natürlich kamen auch die Franzosen nicht zu kurz, ich begann mit Jean-Paul Sartre und endete bei Simone de Beauvoir, deren gesamte Werke ich verschlang. Irgendwann entdeckte ich T.C. Boyle, meinen absoluten Lieblingsautor, dem ich bis heute treu bin und aus Prinzip jedes Buch kaufe, unabhängig von den Kritiken.

Durch den Start ins Berufsleben flaute mein Lesepensum aus Zeitgründen etwas ab. Zwar trug ich noch immer zu jeder Zeit ein Buch mit mir herum, aber es fehlte schlicht die Zeit. Ein befreundeter Bibliothekar erzählte mir, dass man auch im Gehen lesen könne und so auf dem Weg zu und von der Arbeit etliche Seiten schaffen könne. Tja, was soll ich sagen, es funktioniert tatsächlich auch bei mir, allerdings nicht auf Bergab-Strecken!

Mit meinem Mann fand ich einen Partner, der meine Leidenschaft für das Lesen teilt. Auf seiner Bettseite stapeln sich ebenfalls Bücher, wenn auch andere als auf meiner Seite. Unsere Lesevorlieben sind sehr unterschiedlich, während ich am liebsten Romane und Kurzgeschichten lese, liebt er Esoterik und Science Fiction. Aber er wird nicht müde zu betonen, dass er (lesetechnisch) mehr von unserer Beziehung profitiert als ich von ihm, da er auch sehr gerne meine Bücher liest, während mich seine nicht zu fesseln vermögen.

Die Kinder veränderten mein Leseverhalten komplett. Ich lernte, dass freie Zeit noch knapper sein kann als ich es mir je vorgestellt hatte! Die absolute Lesezeit blieb zwar gleich, nur das Literaturgenre änderte sich. Statt William Boyd las ich: Grüffelo, das Kleine Ich Bin Ich und Einkaufen macht Spaß (danke Helga!) usw. Ich durfte die Bücher so oft vorlesen, dass ich bald gar nicht mehr hinschauen musste, ans Umblättern wurde ich ohnehin vorwurfsvoll erinnert. Meine eigene Lektüre las ich nur mehr in den spärlichen Zwischenzeiten, wie z.B. beim Zähneputzen, vorm Einschlafen, beim Abtrocknen nach dem Duschen,…

Mittlerweile können die Kinder schon selbst lesen und tun dies auch glücklicherweise oft und gerne. Die Vorlesedienste nehmen sie trotzdem noch hin und wieder gern in Anspruch, vor allem wenn ein Buch zu spannend ist.

Und ich? Ich habe wieder mehr Zeit für meine Bücher…