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The Trespasser, Tana French

The Trespasser Book Cover The Trespasser
Tana French
Fiction
Hachette UK
22. September 2016
480

Die Polizistin Antoinette ist an ihrem Ziel angelangt. Sie ist endlich bei der Dubliner „Murder Squad“. Dort läuft es allerdings nicht allzu rund. Die netten Kollegen pinkeln ihr in den Schreibtisch, spucken in den Kaffee oder lassen Dokumente verschwinden, die sie dann wieder mühsam neu erstellen muss.

In diesem Tohuwabohu wird ihr ein Mordfall zugeteilt. Eine junge Frau, Aislinn, wurde tot ihn ihrem Appartement aufgefunden. Antoinette beginnt mit den Ermittlungen.

Beim Lesen dieses Krimis erinnerte ich mich an die Erzählung eines Freundes, der zufälligerweise in die Ermittlungen über die chinesische Mafia geriet. Er war vom Typ her eher laut, extrovertiert und -ausgestattet mit den höchsten akademischen Weihen- sehr selbstbewusst. Er war es gewohnt vor vielen Menschen zu sprechen und hatte eine sehr „robuste“ Natur – physisch und psychisch. Er wurde also zum Verhör geladen und -so sagte er mir- er hätte das nicht für möglich gehalten. Er konnte nicht beschreiben, welche Technik der untersuchende Kriminalbeamte anwandte, aber nach dreißig Sekunden hätte er alles unterschrieben, was man ihm vorgelegt hätte.

Der Mordfall selber ist unspektakulär. Eine hübsche junge Frau wurde erschlagen. Wer wird es wohl gewesen sein? Na, irgendein Liebhaber natürlich. Kommt zigmal vor, heutzutage. Was diesen Krimi aber von der Dutzendware unterscheidet, die so auf meinen Kindle reinschneit, ist die detaillierte und ungemein spannende Beschreibung der Verhöre. Aus kleinsten Details am Verhalten der Verdächtigen ziehen Antoinette und ihr Partner Steve ihre Schlüsse und kommen so, über Irrwege natürlich, dem Täter auf die Spur.

Wer sollte dieses Buch nicht lesen? Zarte Seelen sollten lieber zu Rilke greifen oder ein gutes Kinderbuch nehmen, ich denke da an Bartimäus, denn die Sprache ist -gelinde gesagt- sehr explizit. Es wird geshagged, dass sich die Balken biegen, man kann die Unterlagen bzw. this shite up his hole raufsticken. Unbedingt auf Englisch lesen, auch wenn man nicht alles vom Slang versteht. Damit sind wir bei der zweiten Nichtzielgruppe: Leute, die ihre englische Grammatik verbessern wollen. Hier wird gesprochen, wie einem Cop der Schnabel gewachsen ist, das s der dritten Person ist was für scumbags und die Englischlehrer können sich ihre Oxfordbullshite ihr wißt schon wohin stecken.

Der Kontrapunkt fasziniert: die derbe Sprache (some fucker’s been casing my gaff…) versus die ungeheim intelligent erzählte Geschichte. Also: Lesen! Unbedingt!

Mein Lieblingszitat: „A civilian who’s fucked up, he tries to hide it from his boss. A D in trouble, he goes to his gaffer.“

B.

 

 

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