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Tod einer roten Heldin, Qiu Xiaolong

Tod einer roten Heldin
Qiu Xiaolong
Krimi
Paul Zsolnay Verlag Wien

Die Modellarbeiterin Guan wird in einem Kanal in der Nähe von Shanghai tot aufgefunden. Die Ermittlungen führen Kommissar Chen bis in die höchsten politischen Kreise und er sieht sich einer gefährlichen Intrige ausgesetzt, die nicht nur seine Karriere abrupt beenden könnte.

Kommissar Chen ist einer von den „Guten“. Nach dem Abschluß eines Studiums der Literaturwissenschaften wird er mangels Alternativen Polizist und steigt in der Hierarchie sehr schnell zum Oberkommissar auf. Seine Ermittlungen würzt er mit Zitaten alter konfuzianischer Gelehrten, mit Gedichten aus längst vergangenen Zeiten, die Mitteleuropäer nicht verstehen.

Qiu Xiaolong vermittelt dem Leser in Form eines Krimis das Leben in China in den Umbruchszeiten der Neunziger Jahre und gibt einen exzellenten Einblick in die Strukturen des nicht mehr alten und doch noch nicht neuen Chinas. Dankbar bin ich dem Autor, dass er dem leicht verklemmten Oberkommissar eine heiße Liebesnacht gönnt, nachdem man ihm schon mehrmals zugerufen hat, dass er das doch endlich machen soll. So schwierig ist das auch wieder nicht. Interessant ist auch die Wende am Ende des Buches, bei der Chen erkennen muss, dass er letztendlich zu den gleichen Mitteln greifen muss wie seine Konkurrenten.

Fazit: Krimi mit tollem Lokalkolorit, sehr intelligent und doch spannend. Der Einfluß  der politischen Eliten auf die Ermittlungsarbeit der Polizei wird stark thematisiert und flugs sind wir in der österreichischen Innenpolitik, wo sich Rechtshänder mit der linken Hand erschießen, Leute ohne Hände komplizierte Knoten fabrizieren, Entführer ohne zu bluten vom Zug überfahren werden oder durchgeknallte Tierschützer als Terroristen fertiggemacht werden. Mit anderen Worten: China ist auch nur Österreich.

B.

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